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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Externe Begutachtung des Studienganges

Auszug aus dem Gutachterbericht zu den Studiengängen der TU Berlin

 

Medizinische Biotechnologie

Neben der Allgemeinen Biotechnologie und dem Brauwesen wurde erst vor kurzem die Medizinische Biotechnologie als dritter Schwerpunkt in Forschung und Lehre eingeführt. Die Medizinische Biotechnologie tragt seither ganz wesentlich zur Profilierung der Biotechnologie an der TU Berlin bei, obwohl bislang noch keine Besetzung des Lehrstuhls erfolgt ist. Vielmehr vertritt Prof. Lauster das Fachgebiet als Gastprofessor und nutzt dabei mit ganz außerordentlichem Erfolg Synergien mit der Charité, dem MPI für Infektionsbiologie und dem Deutschen Rheumaforschungszentrum (DRFZ), seinem bisherigen Arbeitgeber. MPI und DRFZ belegen gemeinsam ein Gebäude auf dem Gelände der Charité und können so in einzigartiger Weise zur Ausbildung der Studierenden beitragen. Dies betrifft nicht nur Medizin-basierte Vorlesungen und Praktika, sondern auch die Bioinformatik, die in der Medizinischen Biotechnologie unverzichtbarer Bestundteil von Lehre und Forschung ist, an der TU Berlin aber keine Repräsentanz hat.

Insbesondere die Möglichkeit, ein auf allerneuestem Stund der Technik gehaltenes Equipment kennen zu lernen und im Rahmen von Praktika, Studienarbeiten und Diplomarbeit zu nutzen, trägt trotz alter technisch-organisatorischen Schwierigkeiten maßgeblich zur Attraktivität der neuen Studienrichtung bei. Sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden der Studienrichtung Medizinische Biotechnologie zeigten eine sehr hohe Motivation und Begeisterung für ihren Bereich.

Die junge Studienrichtung überzeugte mit ihrer Konzeption: Durch die enge Zusammenarbeit mit der Charité, dem MPI und dem DRFZ bekommen die Studierenden Einblicke in die Medizin und lernen gleichzeitig interdisziplinäres Arbeiten. Sie erwerben so Qualifikationen, die sie gegenüber Absolventen/-innen anderer Hochschulen abheben und im Wettbewerb um Arbeitsplätze in medizinisch orientierten Bereichen in Vorteil bringt. Mit 55 bis 60 Studierenden im Wintersemester 2003/04 läuft die Medizinische Biotechnologie derzeit den beiden anderen Studienrichtungen eindeutig den Rang ab. Vorgesehen ist allerdings eine Limitierung auf 15 Studierende, wobei Prof. Lauster ein Maximum von 32 für gerade noch vertretbar halt. Für die Medizinische Biotechnologie gilt dasselbe wie für alle anderen Fachgebiete: Nur Dank der Drittmittel kann eine adäquate Lehre geboten werden.

Diskutiert wurde ein eigener Studiengang Medizinische Biotechnologie, der mehr bio-verfahrenstechnische bzw. verfahrenstechnische Elemente auf Kosten von Mathematik und Thermodynamik bietet. Sowohl von Prof. Lauster als auch von den Studierenden wurde aber sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass sie den Berufsabschluss „Ingenieur” als ihr besonderes und unverzichtbares Markenzeichen betrachten. Nach intensiver Abwägung alter Argumente – auch im Kreis alter Lehrstuhlinhaber in der Biotechnologie – ist man einvernehmlich zu dem Schluss gekommen, dass die Medizinische Biotechnologie als Studienrichtung im Studiengang Biotechnologie verbleiben soll.

So sehr die Gutachter/innen das enorme Engagement von Prof. Lauster würdigen, so sehen sie doch auch eine gewisse Gefahr in der zu starken Konzentration auf die Person von Prof. Lauster. Dies spiegelt sich z.B. im Kooperationsvertrag mit dem DRFZ wider, der nach Ansicht der Gutachtergruppe im Sinne der Absicherung des Studiengangs Medizinische Biotechnologie unbedingt „entpersonifiziert” werden sollte.

Die schnelle Besetzung der Professur unter oben angesprochenen Prämissen halten die Gutachter/innen für außerordentlich wichtig. Mit der Medizinischen Biotechnologie hat die TU Berlin in vorbildlicher Weise der Forschungsinfrastruktur im Großraum Berlin Rechnung getragen. Das Ausbildungskonzept, das von der Kooperation mit Institutionen am Stundort lebt, zeigt einen Weg auf, wie in Zukunft trotz prekärer Finanzsituation an den Universitäten attraktive und wettbewerbsfähige Lehre betrieben werden kann.

 

Fazit

Der Studiengang Biotechnologie an der TU Berlin genießt einen sehr guten Ruf und ist mit seiner ingenieurwissenschaftlichen Ausrichtung einzigartig in Deutschlund. Trotz schwieriger äußerer Bedingungen wird der Studiengang weit überdurchschnittlich nachgefragt. Die Studierenden zeichnet eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft aus.

Die Gutachterkommission möchte hervorheben, dass unter großem persönlichen Engagement der Lehrenden (vgl. z.B. Einwerbung von Drittmitteln) – trotz der ansonsten knappen finanziellen Ressourcen – ein großes Lehrspektrum im Studiengang Biotechnologie angeboten wird. Dies gilt nach dem Eindruck der Gutachter/innen gleichermaßen für Professoren und Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen. Eine größere Transparenz und eine stärkere Vernetzung der Studienrichtungen sowie eine verbesserte Rückkopplung mit den Studierenden wären zu wünschen. So könnte die hohe Leistungsbereitschaft und Motivation der Studierenden noch besser genutzt werden.

Da die Studierenden der Biotechnologie mit Studierenden anderer Studiengänge in Konkurrenz stehen, muss ein primäres Ziel die Verkürzung der Studienzeiten sein. Insbesondere für eine Berufstätigkeit in der Industrie tragen außerdem wirtschaftswissenschaftliches Grundlagenwissen sowie so genannte Soft Skills (wie Teamfähigkeit, Führungsverhalten, soziale Kompetenz, Integrationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Vortragsstil) maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit bei. Die neue StuPO berücksichtigt diese Anforderungen bereits. Hier sollten insbesondere über die freie Wahl aber noch ganz bewusst weitere Möglichkeiten geschaffen werden. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die hervorragende Englischausbildung, die über das englischsprachige Hauptstudium gewährleistet wird.

Ausdrücklich begrüßt wird die Ingenieursausbildung, wenngleich an einigen Stellen die Frage auftauchte, ob es nicht möglich wäre, die Module noch etwas passgenauer für die Biotechnologie zu konzipieren. Insgesamt erscheinen den Gutachter/innen einige Module als etwas zu groß. Eine Modulgröße von 8-12 LP nach ECTS sollte nicht Oberschritten werden. Weiterhin erscheint es sinnvoll, den Wahlanteil im Grundstudium zu erhöhen und nicht das komplette 9. Semester als „Wahlsemester” festzulegen. Grundsätzlich halten die Gutachter die freie Wahl von Lehrveranstaltungen für sinnvoll, haben die Studierenden doch dadurch die Möglichkeit, gezielt ihr eigenes Profil zu schärfen. (Bei der Gutachtergruppe traten Zweifel an der Ermittlung/Berechnung der LP auf. Sie regt an, hier unbedingt auf die Akkreditierungsvorgaben zu achten.)

Wünschenswert wäre die Erhöhung des Praxisbezugs im Grundstudium, eine konkrete Vorbereitung auf Praktika und die Betonung des spezifisch biotechnologischen Anteils – evtl. im Rahmen des Mentorenprogramms. Die große Zahl an Praktika macht den Studiengang einerseits recht teuer, stellt jedoch andererseits gerade ein wichtiges Merkmal des Studiengangs dar. Eine Reduzierung der Praktika kann nicht empfohlen werden.

Es sollte überlegt werden, inwiefern – unter Berücksichtigung von Akkreditierungsvorgaben – zusammenhängende Betriebspraktika besser in den Studienverlauf eingebunden werden können.

Die Biotechnologie an der TU Berlin hat Schwerpunkte gesetzt mit den Studienrichtungen Allgemeine Biotechnologie, Medizinische Biotechnologie und Brauwesen. Die Gutachtergruppe empfiehlt, angesichts der Entwicklung der Studierenden-Zahlen die Allgemeine Biotechnologie zu überdenken. Eine Profilierung als „Industrielle Biotechnologie” könnte einen neuen, auch nach außen gut vermittelbaren Akzent setzen. Die zukünftige Ausrichtung der Lehrstühle müsste dies berücksichtigen.

Die Besetzung der Lehrstuhle Bioverfahrenstechnik, Medizinische Biotechnologie und Brauwesen muss zügig geregelt werden, um Planungssicherheit zu gewährleisten.

Mit einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept in Händen sollte seitens der TU Berlin auch für die in wenigen Jahren anstehenden Wiederbesetzungen der Lehrstuhle Molekularanalytik, Technische Biochemie sowie Mikrobiologie und Genetik jede Unterstützung gewährleistet werden, denn die Chancen, die der Standort Berlin bietet, müssen – auch im Hinblick auf die Konkurrenz in Deutschlund – genutzt werden. Forschungsschwerpunkte wie beispielsweise Aufarbeitung/Downstream Processing fehlen deutschlandweit. Der Bereich Proteinanalytik sollte etabliert werden.

Industriekooperationen insbesondere im Großraum Berlin sollten im Rahmen der Lehre stärker berücksichtigt werden. Dies würde nicht nur einen noch stärkeren Praxisbezug in der Ausbildung bedeuten, sondern auch finanzielle Entlastungen für den Studiengang bringen. Darüber hinaus können Impulse für die Forschung erwartet und die Chancen der Absolventen/-innen auf dem Arbeitsmarkt noch gesteigert werden.

Für die Zukunft erscheint es den Gutachter/innen wichtig, dass der Ablauf der Auswahlverfahren geklärt wird, um zielgenauer die für die verschiedenen Studienrichtungen geeigneten Studierenden mit vertretbarem Aufwand herauszufiltern.

Die Gutachtergruppe sieht die vorgenommene Modularisierung des Studiengangs noch nicht als Durchbruch zu einem Bachelor-/Master-Studiengang, dessen Einführung wohl für 2008 vorgegeben ist. Es sollte daher überdacht werden, ob die StuPO vom 5.11.2003 wirklich eingeführt werden soll. Aus Sicht der Gutachtergruppe bietet es sich an, unter Berücksichtigung der schon jetzt sehr hohen Belastung und im Sinne einer besseren Transparenz, Flexibilität und Planbarkeit für Studierende und für Lehrende, zuvor die Anpassung an die Vorgaben eines Bachelor-/Master-Studienganges zu realisieren.

Dabei sollte besonderes Augenmerk auf das erste Studienjahr gelenkt werden. Die Gutachtergruppe empfiehlt zu überdenken, wie von Beginn an biotechnologische Lehrinhalte Berücksichtigung finden können. Dies könnte auch zu einer Reduzierung der Quote an Studienabbrüchen beitragen.

Die Gutachtergruppe sieht außer im Bereich Brauwesen keine Berufsqualifizierung beim Bachelor. Die Gutachtergruppe empfiehlt vielmehr, für den Bachelor-/Master-Studiengang ein konsekutives Modell zu wählen. So sollte auch ein besserer Austausch innerhalb Europas und weltweit möglich werden. Eine stärkere Abstimmung von Lehrinhalten innerhalb des Studiengangs böte aus Sicht der Gutachter/innen außerdem die Chance zur Verkürzung von Studienzeiten. Bei der Einführung des konsekutiven Modells sollte darauf geachtet werden, dass eine adäquate Anzahl an Studierenden in den Master-Studiengang aufgenommen werden kann.

Eine Verkürzung von Studienzeiten könnte auch unterstützt werden durch noch intensivere Studienberatung. Diese muss nicht notwendigerweise nur durch die Lehrenden erfolgen. Auch fortgeschrittene Studierende könnten mit ihren Erfahrungen zu einer Optimierung der Zeitplanung bei den Jüngeren beitragen.

Als erfolgskritisch für eine Studienzeitverkürzung sind die Praktika zu bewerten. Außer einer noch besseren Zeitplanung könnte auch eine Institutionalisierung von externen Praktika im Hauptstudium einen Beitrag leisten und sogar zu einer finanziellen Entlastung führen. Aus Sicht der Gutachtergruppe bietet der Großraum Berlin dafür optimale Voraussetzungen, wenn auch gesehen wird, dass daraus besondere Anforderungen an die Organisation erwachsen.

Vor dem Hintergrund des „Bologna-Prozesses” wäre es wichtig, mehr Informationen über den Verbleib der Studierenden zu akquirieren, um einen Eindruck zu gewinnen, inwieweit im Studium erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten berufsqualifizierend sind. Auch im Sinne der Corporate Identity sowie unter dem Gesichtspunkt des immer stärker eingeforderten Public Private Partnership wären beispielsweise der Aufbau und die Pflege eines Absolventennetzwerkes hilfreich.

Die Gutachtergruppe verkennt nicht, dass der Planung des Studienverlaufs insbesondere durch die Lehrimporte im gemeinsamen ersten Studienjahr an der Fakultat III Zwänge gesetzt sind, die durch hochschulpolitische bzw. politische Vorgaben noch verstärkt werden. Die Gutachtergruppe hofft aber, dass die Empfehlungen zumindest in Teilen umgesetzt werden und zur Verbesserung der Lehrqualität beitragen können.

 

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